leogistics Rail | 21. 11. 2019
by Matthias Platzer
Gut gedacht ist halb gemacht

WIE MODERNE INDUSTRIEBAHNEN IHREN BETRIEB PLANEN


Werksbahnen bilden das logistische Bindeglied zwischen massenleistungsfähigem Schienentransport und dem Warenein- und Warenausgang eines Unternehmens. Dennoch wird eine Werksbahn in der Regel mit viel Retro-Charme, aber wenig IT-Unterstützung und ohne Integration zu anderen Bereichen des Unternehmens betrieben. 

Davon betroffen sind auch die Planungsbereiche der Werksbahn – während andere Abteilungen seit Jahren auf optimale Terminierung, automatisierte Ressourceneinsatzplanung und auf integrierte Planungsprozesse zurückgreifen, müssen Werksbahnen auf Zuruf agieren und ihre Schichtplanung in einem Tabellenkalkulationsprogramm durchführen. 

In diesem Blogbeitrag betrachten wir die Möglichkeiten einer integrierten und automatisierten Planung des „logistischen Bindeglieds“ und heben die Werksbahn mit innovativen Lösungen auf den aktuellen Stand der Zeit. 



INTEGRATIVE VERSANDPROZESSE UND LEERWAGENPLANUNG

Die Vorbereitung der Auslieferungen durch die Versandabteilung erfolgt in der Regel im ERP. An diesen Prozess lässt sich ein digitales Dispositionssystem für die Werksbahn für die Versandprozesse anbinden. Der Versandzeitpunkt wird aufgrund des Abgangsortes, der Versandbedingungen, der Route und aufgrund der Eigenschaften des zu sendenden Materials automatisiert terminiert. 

Eine Kommunikation mit Produktion und Logistik erfolgt über den Workflow. Zudem fließen Produktionszeitpunkt und Warenverfügbarkeit in die Planung ein.

Durch die Kombination der Informationen zu Versandzeitpunkten und den Waggondaten wird ein optimaler Waggonübergang vom System ermittelt.



DIE VORTEILE DER OPERATIVEN PLANUNG IM WERKSBAHNUMFELD

Eingehende Waggons werden nach der Entladung aufgrund des Systemvorschlags direkt wieder beladen, an das Eisenbahnverkehrsunternehmen zurückgegeben oder als Leerwagen am Standort hinterstellt und für zukünftige Warenversendungen vorgehalten. Der Einsatz von Prognosemodellen unterstützt den Rangierplaner bei der Ermittlung von zukünftigen Waggonbedarfen und verhindert, dass Transportbedarfe aufgrund mangelnder Verfügbarkeit von Wagen nicht erfüllt werden können. 

Andererseits verhindert die Planung ein überschüssiges Hinterstellen von Leerwagen (Überdeckung durch Wagen einer bestimmten Gattung). Neben den Planungsalgorithmen in SAP ERP (basierend auf saisonalen Schwankungsprognosen und Trenderkennung) können auch projektspezifische Planungsalgorithmen mit besonderen Anforderungen (z. B. Machine Learning) in das Disposystem eingebracht werden. 

Ziel der intelligenten Planung ist, jeden einzelnen Waggon ökonomisch einzusetzen und die Kosten der Waggonmiete zu optimieren.



DIE ABBILDUNG INTEGRIERTER PROZESSE

Darüber hinaus erhält die Werksbahn durch die Integration mit der Versandabteilung Zugriff auf den gesamten Materialstamm der zu versendenden Ware. Dem Planer ist es dadurch möglich, die Spezifika der Ware einzusehen und die Waggonbeladung optimal vorzubereiten. In vielen Fällen ist das System in der Lage, einen Beladungsentwurf automatisiert zu erstellen. 

Bei der Versendung von Gefahrgütern bietet eine Integration zudem die Möglichkeit, Regelwerke aus SAP EH&S (Environment Health and Safety) bei der Laderaumplanung zu beachten. 

Der Zugriff auf den Materialstamm bietet einen weiteren Vorteil im operativen Geschäft: Das System erstellt CIM-Frachtbriefe vollkommen automatisiert.



RESSOURCENEINSATZ-PLANUNG

Ein integriertes Dispositionssystem unterstützt den Rangierdisponenten in Belangen der operativen Personal- und Triebfahrzeugeinsatzplanung nicht nur – es liefert eigenständig Vorschläge für einen optimalen Ressourceneinsatz.

Planung von Ressourcen im Gantt

Durch die detaillierte Abbildung von zukünftigen Zugeingängen, Zugausgängen und Ladestellenbedienungen ist das System in der Lage, die Anzahl der benötigten Rangiermitarbeiter zu determinieren. Dabei werden verschiedene Rollen, wie z.B. Rangierer, Rangierleiter und Mitarbeiter des Wagendienstes betrachtet. 

Die Personaleinsatzplanung beachtet dabei betriebliche Vorschriften, welche systemisch in Form von Regelwerken abgebildet sind. Je nach Ausprägung des Regelwerkes können die determinierten Rollen automatisiert mit konkreten Mitarbeitern besetzt werden – oder es wird halbautomatisiert ein Vorschlag für den Personaleinsatzplaner generiert.

Mitarbeiter sind als Ressourcen im System abgelegt, wobei die Stammdaten die individuellen Ausbildungen, Befähigungen und Verfügbarkeiten abbilden. Die finale Schichtplanung wird zudem in das SAP ERP zurückgemeldet und ermöglicht dort den weiteren Workflow.



TRIEBFAHRZEUGS-PLANUNG

Die Triebfahrzeugeinsatzplanung basiert auf demselben Prinzip: Die geplanten Waggonbewegungen resultieren in benötigter Traktionsleistung. Rangieraufträge werden mit konkreten Rangierlokomotiven besetzt. Die Triebfahrzeuge sind als Ressourcen im System reflektiert und die Stammsätze beinhalten Vorschriften sowie geplante Wartungs- und Untersuchungsintervalle.

Die Einsatzplanung wird dem Disponenten in grafischer und tabellarischer Form ausgegeben. In der Schichtplanung werden GANTT-Diagramme aufgrund ihrer Übersichtlichkeit bevorzugt.

Einsatzplanung von Triebfahrzeugen

Insbesondere bei der taktischen Personaleinsatzplanung finden wiederum die erwähnten Prognosemodelle Verwendung, um potenzielle Auslastungsspitzen bzw. Minderauslastungen zu identifizieren. Je nach Implementierung reagiert das Dispositionssystem automatisiert und proaktiv auf die prognostizierten Aufwände oder leitet passive Vorschläge für eine Reaktion durch den Personaleinsatzplaner ab. 

Das integrierte, operative Reporting des Systems bildet zudem die Grundlage für Entscheidungsfindungen in der strategischen Personaleinsatzplanung. 



WAGGONUMLAUF-PLANUNG

Der Eisenbahnmarkt unterliegt dem aktuellen Trend, dass Unternehmen zusehends ihre eigene Waggonflotte besitzen. Die Flotte besteht dabei entweder aus langfristig angemieteten Wagen oder aus Privatbahnwagen im Eigenbesitz. Integrierte Dispositionssysteme bieten die Funktion zur vollständigen Waggonumlaufsplanung und ermöglichen damit eine optimale Verwaltung der Wagenparks.

Leerwagenplanung in leogistics Rail

Die Planung der Umläufe beginnt zunächst mit einer kollaborativen Planung aller Unternehmensstandorte: Die Standorte melden ihren jeweiligen operativen Wagenbedarf entweder zur Auslieferung von Produkten oder zur Anlieferung von Rohmaterial. Der Fokus liegt hierbei nicht auf einzelnen Ladestellen der Werksbahn, sondern auf den ganzheitlichen Bedarf an Waggons zum Transport. 



WAGGONBEDARF UND EINSATZZEIT

Wie lange sind die Waggons in der Verladung und im anschließenden Transport mittels Ganzzügen oder Einzelwagenverkehr gebunden? Das Dispositionssystem berücksichtigt die mengenmäßige und die zeitliche Komponente.

MENGENMÄSSIG
Durch Angabe des zu versendenden Ladegewichts wird die Anzahl benötigter Waggons in Abhängigkeit der unterschiedlichen, zur Verfügung stehenden Waggongattungen determiniert.

ZEITLICH
Aus dem Abgangsort, dem Zielort und dem Streckennetz mit Betrachtung der verschiedenen Streckenkategorien wird die benötigte Transportzeit kalkuliert.

MENGENMÄSSIGZEITLICH
Durch Angabe des zu versendenden Ladegewichts wird die Anzahl benötigter Waggons in Abhängigkeit der unterschiedlichen, zur Verfügung stehenden Waggongattungen determiniert. Aus dem Abgangsort, dem Zielort und dem Streckennetz mit Betrachtung der verschiedenen Streckenkategorien wird die benötigte Transportzeit kalkuliert.


INTEGRIEREN SIE IHR DISPOSYSTEM MIT IHREM VERSANDSYSTEM

Bei einer Integration des Dispositionssystems mit dem Versandsystem können die benötigten Angaben automatisiert ausgetauscht werden. Anhand dieser Basisangaben ermittelt das System zunächst einen optimalen Waggonlauf vom Lieferantenstandort zum Unternehmen oder vom Unternehmen zum Kundenstandort. 

Aber hier endet die Planung nicht: Das System prognostiziert in weiterer Folge je Unternehmensstandort den Leerwagenbestand (je Waggongattung) und stellt dies den zukünftigen Waggonbedarfen gegenüber. Ziel ist die Berechnung eines optimalen Waggonrundlaufs zwischen den externen Senken der Transporte zurück zu den internen Standorten. 

Waggons, welche zur Auslieferung genutzt wurden, werden nach der Entladung beim Kunden nicht zwangsläufig zum ursprünglichen Unternehmensstandort rückbefördert, sondern aufgrund des Systemvorschlags direkt zu einem abweichenden Standort mit entsprechendem Bedarf transportiert. 

Auf dieselbe Weise berechnet das System benötigte Transfers von Leerwagen zwischen internen Unternehmensstandorten. Auch für die Waggonumlaufplanung gilt: Prognosemodelle in Form von Planungsalgorithmen helfen bei der Identifikation von und bei der Reaktion auf Schwankungen in der betrachteten Periode.

Werksbahnen zukunftssicher machen

Die in diesem Blog beschriebenen Vorteile einer IT-gestützten Planung sind in vielen Unternehmensbereichen seit Jahren Alltag. Für Werks- und Industriebahnen fehlten entsprechende Lösungen lange Zeit am IT-Markt – wenn Dispositionssysteme angeboten wurden, so waren dies ausnahmslos Insellösungen (ohne Integration) und ohne Planungsmöglichkeiten. 

Mit leogistics Rail steht dem Eisenbahnmarkt nun eine neuartige out-of-the-box Lösung zur Verfügung, welche folgende Vorteile mit sich bringt: 

  • leogistics Rail basiert auf SAP-Technologie und kann daher mit allen ERP-, TM- und EWM-Systemen des Unternehmens integriert werden. 
  • Integrative Planungsprozesse für den operativen Betrieb sind ein Hauptbestandteil der Lösung.
  • Das System unterstützt die taktische Ressourceneinsatzplanung mithilfe von Prognosemodellen.
  • Die Planung von Waggonversendungen mittels Ganzzug oder Einzelwagen findet im Dispositionssystem statt – übergreifend mit der Versandabteilung.
  • Durch unternehmensinterne, kollaborative Planung wird die hauseigene Flotte optimal eingesetzt und Leerwagen ökonomisch verteilt.

Stehen Sie mit Ihrer Werksbahn vor denselben Herausforderungen? Bangen Sie um einen zukunftssicheren Betrieb Ihres Gleisanschlusses? Wir lieben Eisenbahnen und beraten Sie gerne bei der Analyse Ihrer persönlichen Anforderungen!

Bei Fragen zu diesem oder anderen Themen im Blog wenden Sie sich bitte an blog@leogistics.com.

Matthias Platzer
Senior Consultant SAP Logistics

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