SAP EWM | 06. 06. 2019
by Julian Richter
Nie wieder Muskelkater beim Kommissionieren

WIE SIE IHRE KRÄFTE MIT EINER AUTOMATISIERTEN LAGER-REORGANISATION IM SAP EWM BESSER EINTEILEN KÖNNEN

Komplexe Lieferketten, schnellere Durchlaufzeiten und kürzere Produktlebenszyklen führen zu ständig wechselnden Lagerbeständen und sich veränderndem Kundennachfrageverhalten. Die Lagerverwalter müssen in Bezug auf die Kosten wettbewerbsfähig bleiben und gleichzeitig unter diesen schwankenden Bedingungen ein hohes Maß an Produktverfügbarkeit und Kundenservice aufrechterhalten.

Ein wesentlicher Kostenfaktor ist der Kommissionierungsprozess, der mehr als die Hälfte der Betriebskosten eines Distributionszentrums verursachen kann. Die Zuordnung von Artikeln zu Lagerplätzen hat einen großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit eines Lagers, insbesondere wenn das Lager nicht automatisiert, sondern von menschlichen Kommissionierern bedient wird.

LÄNGERE LAUFWEGE IM LAGER

Durch schwankende Auftragslagen kann die Kommissionierungsleistung in einem Lager rapide abnehmen. Zum Beispiel, weil ein vermeintlicher Schnelldreher auf Grund saisonaler Auftragslage keine hohe Nachfrage vorweisen kann.

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Die Lagereinheit blockiert einen wertvollen Lagerplatz für aktuelle Schnelldreher und erhöht damit die Laufwege. Aus diesem Grund sollte eine Anpassung der Lagerplatzzuordnung an veränderte Materialflussanforderungen erfolgen: Hierfür sind Produkte umzulagern, deren Entnahmehäufigkeit gestiegen oder gesunken ist und daher näher am bzw. weiter vom I/O-Punkt zu lagern sind.

RESTRIKTIONEN BEI DER PROBLEMLÖSUNG

Aufgrund von Belastungs- und Größenbeschränkungen oder besonderen Lageranforderungen bestimmter Materialien sind nicht alle Lagerplatzzuordnungen möglich.

Aus Kostengründen präferieren Lagerleiter eine induktive Reorganisationsmaßnahme, welche den Fokus auf die Identifizierung von Schwachstellen und deren Behebung legt. Dadurch findet eine kontinuierliche Verbesserung der Lagerplatzzuordnung in Bezug zur Zielfunktion statt und kann während der Arbeitszeit oder durch Überstunden erfolgen.

In kurzen Abständen wird eine geringe Anzahl Lagereinheiten bewegt, was bereits zu einer Verbesserung der Zielfunktionen führt. Dieser Ansatz erschwert die Lager-Reorganisation ungemein, da neben den genannten Restriktionen auch die vorhandenen Ressourcen zu berücksichtigen sind, um eine Lager-Reorganisation während des laufenden Betriebs zu gewährleisten.

Bei der Entscheidung, ob eine Umlagerung im Rahmen der Reorganisation als sinnvoll erachtet wird, spielt die Auswahl der Umlagerungsroute eine wichtige Rolle, da sie erheblichen Einfluss auf die Effektivität der Maßnahme hat.

Infolgedessen ist sorgfältig zu entscheiden,
• welche Lagereinheiten,
• wohin,
• wie und
• wann umgelagert werden sollen.

DIESE MASSNAHME REDUZIERT DEN RESSOURCENEINSATZ

Zur Unterstützung einer Lager-Reorganisation bietet SAP EWM eine Standardfunktionalität, die allerdings auf einer statischen Bewertungsgrundlage basiert und zudem keine Kosten-Nutzen-Analyse durchführt.

Im Rahmen einer Forschungsarbeit in Zusammenarbeit mit leogistics wurde eine effiziente, kostenberücksichtigende und automatisierte Lager-Reorganisation im SAP EWM entwickelt, die auf einer mehrdimensionalen Bewertungsgrundlage basiert und vollständig in den Lagerverwaltungsmonitor integriert ist.

TEILEN SIE IHRE KRÄFTE EIN

Ziel dieser automatisierten Reorganisation ist es, eindeutige Empfehlungen auszusprechen, welche mithilfe eines Ampel-Systems und eines Rankings dargestellt werden. Die Komplexität dieser Ermittlung wird dabei vom Anwender ferngehalten.

Das Ranking besteht aus einer mehrdimensionalen Bewertungsgrundlage: 

•  Nachfragestabilität – Wie stabil ist die Nachfrage des Produkts?
•  Wichtigkeit – Wie groß ist die Distanz der HandlingUnit zum optimalen Lagerplatz?
•  Dringlichkeit – Wie lange liegt die HandlingUnit schon falsch?
•  Kosten/Nutzen – Wie lohnenswert ist die Umlagerung der HandlingUnit?

 

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Diese Scores ergeben in Kombination einen Reorganisations-Score, der wiederum durch eine Gewichtung der Einzel-Scores beeinflusst werden kann. Je höher dieser ausfällt, desto höher ist die Empfehlung zur Lager-Reorganisation für die entsprechende Handling-Unit.

WERDEN SIE AKTIV

Um die Verantwortung der Lager-Reorganisation nicht vollständig an das SAP EWM abzugeben, besteht die Möglichkeit, dass der Anwender manuell aus den systemseitig vorgeschlagenen Umlagerungsbedarfen auswählen kann. Die wichtigste Ableitung aus den Ergebnissen der Reorganisation stellt in der Regel die Reduzierung der einzelnen Pick-Distanzen dar. Das System stellt an dieser Stelle sicher, dass die ausgewählte Reorganisation auch durchführbar ist: So ist bei hohem Lagerfüllgrad eine Reorganisation nur dann sinnvoll, wenn die optimale Ziellokation ausreichend Kapazität aufweist.

Die zentralen Fragen:

  1. Welche Handling-Units haben einen Umlagerungsbedarf?
  2. Welche Umlagerungen sind lohnenswert?
  3. Welche Kapazität weißt die Ziellokation auf?
  4. Was ist die optimale Umlagerungs-Route?

 

VORHER-NACHER-VERGLEICH

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Schlussendlich hängt der Erfolg der Reorganisationsmaßnahme davon ab, ob die nun entstandene Pick-Distanz und der Umlagerungsaufwand zusammen unter der ursprünglichen Pick-Distanz liegen.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Analyse Ihrer Lagerorganisation im SAP EWM. Bei Fragen zu diesem oder anderen Themen im Blog wenden Sie sich gerne an blog@leogistics.com.

Julian Richter
Consultant SAP EWM

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