Hafenlogisitk | 26. 09. 2019
by Jan-Philipp Horstmann
Was macht meinen Hafen „smart“?

AUTOMATISIERUNG ALS TREIBER FÜR SMART PORT LOGISTICS


Dinge gut machen und darüber reden. Andere an gewonnenen Informationen teilhaben lassen und gemeinsam davon profitieren. Zeit und Kosten sparen durch einen vertrauensvollen Umgang mit Daten und durch Zusammenarbeit. Für all dies steht Smart Port Logistics

Wir zeigen Ihnen Potentiale von Automatisierungen und smarten Hafenprozessen auf und bieten Einblick in unsere Lösung leogistics Port zur Abbildung maritimer Prozesse in SAP. 



WARUM IST DER GRAD DER AUTOMATISIERUNG WICHTIG?

Die Bildung von Netzwerken und Allianzen mit dem Ziel, Informationen auszutauschen, macht logistische Prozesse vergleichbarer. In einer digitalisierten und global vernetzten Logistik wird Benchmarking erleichtert und der Konkurrenz liegen Zahlen zu Abfertigungs- und Umschlagzeiten vor. Neue logistische Alternativen entstehen, wie die neue Seidenstraße für landseitigen Verkehr. Der Wettbewerbsdruck nimmt zu.  

Der Grad der Prozessautomatisierung kann ein Alleinstellungsmerkmal sein, um Kosten und Zeit einzusparen und die Prozesssicherheit zu erhöhen. 



DATEN BILDEN DIE GRUNDLAGE DER AUTOMATISIERUNG 

Digitalisieren Sie Ihre Prozesse, um relevante Daten für Automatisierungsmaßnahmen verfügbar zu haben. 

Echtzeit-Informationen über Lade- und Löschvorgänge, Bestandsveränderungen und die Verfügbarkeit bestimmter Frachteinheiten für weitere Prozesse werden am einfachsten durch die Verwendung von Mobilgeräten sichergestellt. Dabei werden auch Informationen für die Kosten- und Erlösbetrachtung aufgenommen, die zeitnah an ein Abrechnungsmodul übergeben werden können. Abschließend erlauben Echtzeit-Informationen zu Cargo-Bewegungen die Messung von Service Level Agreements und des Fortschritts in der Cargo-Abwicklung. 



ZIEHEN SIE SCHLÜSSE AUS IHREN CARGO-BEWEGUNGEN 

Beim Cargo Handling im Hafen können eine Vielzahl an Informationen aufgenommen werden:  

  • Wo wurde eine Unit aufgenommen und abgesetzt? 
  • Wer hat die Aktivität wann durchgeführt? 
  • Welches Equipment wurde verwendet? 

Werden die Daten aus Prozessdurchführung und Abrechnung detailliert aufgenommen, können daraus für Sie interessante Schlüsse gezogen werden: 

  • An eine Künstliche Intelligenz übergeben, können aus den Daten möglichst ideale Vertragsgestaltungen abgeleitet werden. 
  • Sie können Heatmaps erstellen, um Bottlenecks bei Lade- und Löschvorgängen zu identifizieren. Kommt es an bestimmten Stellen immer wieder zu erhöhtem Verkehrsaufkommen? Stauen sich Transportwege an neuralgischen Punkten am Quai oder auf dem Weg in den Schuppen?
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Heatmaps eignen sich hervorragend als Reporting-Instrument, um Bereiche mit hoher Intensität oder Frequentierung zu identifizieren. 



AUTOMATISIERUNGSMÖGLICHKEITEN AM BEISPIEL DER ABFERTIGUNG 

Als Herzstück der Hafenlogistik-Prozesse wollen wir zunächst die Lade- und Löschvorgänge hinsichtlich ihres Automatisierungspotentials untersuchen.

VERKNÜPFUNG VON PROZESSEN  Sind Informationen aus Tracking Devices oder Telematik-Einheiten zugänglich, lassen sich Bereitstellprozesse automatisieren und vorbereitende Arbeitsmaßnahmen triggern. 
DER HUB-VORGANG  Bei Hubvorgängen kann ein Container gewogen, und so überprüft werden, ob das im Bill of Lading angegebene Bruttogewicht stimmt. Es kann eine Aussage darüber getroffen werden, ob die Box tatsächlich die angegebene Ware enthält. Auch Zustandsüberprüfungen lassen sich während des Hub-Vorgangs mittels technischer Erweiterungen automatisieren. 
TRACKING VON CARGO UNITS  Das höchste Potential, Cargo Bewegungen zu optimieren, liegt im Tracking der Units. Um den Prozess von Empfang über Lagerung bis zur Verladung möglichst stark zu automatisieren muss ein geeignetes Device zur elektronischen Lesbarkeit bereits frühzeitig an der Cargo Unit angebracht werden. 


OPTIMIERUNGSPOTENTIALE IN DER LKW-ABFERTIGUNG 

Neben der Abwicklung von Schiffen bietet auch die Abfertigung von LKWs Möglichkeiten, durch Automatisierung Kosten und vor allem Zeit einzusparen. Zwei Faktoren können dabei die Durchlaufgeschwindigkeit von LKWs negativ beeinflussen: Komplexe Check-In-Prozesse aufgrund von Sicherheitsüberprüfungen und Zeitverlust beim Abruf von Warteplätzen an die Be- oder Entladezone.  

Wie können Sie diesen Problemen begegnen? 

  • Der Check-In-Prozess lässt sich weitestgehend standardisieren und als durchgehender Prozess auf einem Tablet durchführen. Dabei bilden vordefinierte Fragen die Grundlage der Überprüfung und Unterschriften werden direkt auf dem Gerät durchgeführt.  
  • Verwenden Sie die Zeitstempel von Check-In und Check-Out, um die derzeitige Standzeit für LKWs zu berechnen und teilen Sie diese in einem Portal. So sind Ihre Netzwerkpartner zu jedem Zeitpunkt darüber informiert, wie viel Zeit sie für die nächste Anfahrt Ihres Terminals einplanen müssen.  
  • Self-Check-In-Terminals, bei denen sich der Fahrer mit einer vorab versendeten Turn-In-, Turn-Out- oder Auftragsnummer registriert, verkürzen die Check-In-Zeit besonders in Spitzenzeiten, da mehrere Erfassungen gleichzeitig erfolgen können. 
  • Videotore können Container auf Schadstellen bei Check-In und Check-Out untersuchen, und auch Fotos speichern um Regressforderungen (Ist der Schaden im Terminal entstanden?) hinsichtlich der korrekten Handhabung im Nachhinein entgegenzuwirken. Mittels OCR-Technologie können Kameras Kennzeichen und Containernummern erkennen und somit den Prozess weiter automatisieren, um dem Ziel des „smarten“ Hafens einen Schritt näher zu kommen.  


AUTOMATISIEREN SIE IHRE BAHNPROZESSE 

Die Hafenbahnprozesse lassen sich, ähnlich wie die LKW-Abfertigung, vor allem bei Ankunft und Abfahrt durch Teilautomatisierung verbessern. Dabei sind neben elektronischen Gleisbelegungsübersichten und elektronisch verfügbaren Rangieraufträgen sowie der mobilen Rückmeldung von Waggonbewegungen die folgenden Überprüfungen zu nennen: 

  • Automatisierte Kameraerfassung von Waggonnummern 
  • Zugreihungsprüfung durch Messung der Achsabstände 
  • Mobiler Abgleich von Waggonzuständen mit elektronischer Schadensliste 


SMART PORT LOGISTICS MIT LEOGISTICS PORT 

Automatisierung und die Umstellung auf „smarte“ Prozesse bedürfen der richtigen IT-Infrastruktur. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen unsere Hafenlogistiklösung leogistics Port etwas näherbringen. 
Unsere SAP-basierte Lösung für Terminal- und Hafenlogistik umfasst Funktionalitäten zu der Planung maritimer Logistik-Prozesse, dem Management von Schiffsankünften, der Abwicklung von Lösch- und Ladevorgängen, dem Bestandsmanagement sowie der Abrechnung von Lager- und Dienstleistungen. Abgerundet wird leogistics Port durch weitere Bestandteile der leogistics d.s.c für die Bereiche LKW-Hofsteuerung, Hafenbahn und Reporting.

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Mit einem Dokumentenfluss über alle Hierarchie-Ebenen hinweg haben Sie die notwendigen Informationen bei Planung, Durchführung, Reporting und Abrechnung an einem Platz.

Grundlage der Abbildung logistischer Prozesse in leogistics Port ist das individuell ausprägbare Orderkonzept, welches Prozesse und Informationen auf verschiedenen Hierarchie-Ebenen abbilden kann. 



INFORMATIONEN VERFÜGBAR UND PROZESSE PLANBAR MACHEN 

Um bereits frühzeitig auf mögliche Engpässe bei der Passage-Planung oder bei benötigtem Equipment aufmerksam zu werden, bietet es sich an, Schiffsankünfte, Fahrpläne und verfügbare Ressourcen in einem Planungs-Gantt zusammenzuführen.  

Die Liegeplatzplanung im Gantt erlaubt es, Bottlenecks frühzeitig zu identifizieren und negative Effekte bei der Neu- und Umplanung frühzeitig zu erkennen. Sind entsprechende Vertragsinformationen im System hinterlegt, können geschätzte Demurrage-Kosten in der Liegeplatzplanung ausgewiesen werden.

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Die Übersicht über gebuchte und freie Liegeplätze in einem Portal erhöhen die Transparenz. 



LIVE-INFORMATIONEN UND VISUALISIERUNG 

Wo befindet sich die zu verladene Ware? Wie viele LKWs befinden sich derzeit im Terminal? Ist mein Liegeplatz schon frei? 

Ähnlich wie exakte Koordinaten für Cargo Units kann auch die Visualisierung von Transportmitteln die Transparenz im Hafen erhöhen. AIS Informationen zum Tracken von Schiffspositionen, Sensoren an Jettys und Tracking Devices an LKWs ermöglichen eine exakte Lokalisierung und damit weitestgehend eine Automatisierung von Prozessen. Warte- und Leerlaufzeiten können vermieden werden, wenn die einzelnen Bewegungen getaktet und durch ein IoT-gesteuertes Prozessmanagement orchestriert sind.

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In einer Übersicht werden freie und belegte Liegeplätzte mit Live-Daten gezeigt. 

Um die eigene Leistungsfähigkeit zu prüfen, aber auch um gegenüber Kunden Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, empfiehlt es sich, den Fortschritt der Schiffsabfertigung detailliert zu tracken. Erkennen Sie Plan-/Ist-Abweichungen frühzeitig und leiten Sie gegensteuernde Maßnahmen ein.  



ABRECHNUNG UND MARGENKALKULATION 

Die größte Komplexität in der Abrechnung logistischer und maritimer Leistungen im Hafenumfeld liegt in den häufig komplexen und historischen Verträgen zwischen Logistikdienstleister und Kunde. Die Abrechnungsgrundlagen sind in der Regel wenig standardisiert und weisen individuelle Besonderheiten auf, die es bei der Abrechnungsvorbereitung zu beachten gilt. Der bereits aufgezeigte durchgehende Belegfluss mit leogistics Port erlaubt es, die Vielfalt möglicher abrechenbarer Leistungen in den Griff zu bekommen und den Prozess weitestgehend zu automatisieren. 



WELCHE MASSNAMEN KÖNNEN SIE ERGREIFEN?  

Aktuelle Marktveränderungen als Folge der Bildung von Netzwerken und Allianzen sowie neue technische Möglichkeiten (wie IoT, Blockchain und KI) haben starke Auswirkungen auf laufende und zukünftige IT-Projekte im maritimen Umfeld. 

Dabei stellt der Umstieg auf Industrie 4.0 eine große Herausforderung für Hafen- und Terminalbetreiber dar: Anpassungsmaßnahmen an neue Schiffsgrößen erfordern ein enormes Maß an Zeit und Kapazitäten, die dann für notwendige Digitalisierungsprojekte fehlen. Für Terminal- und Hafenbetreiber ergeben sich eine Reihe von möglichen Maßnahmen, die zu großen Teilen in Anpassungen der aktuellen IT-Infrastruktur zu verorten sind. Gerne führen wir mit Ihnen eine Bestandsaufnahme bestehender Prozess und IT-Systeme in Ihrer Logistik durch und leiten konkrete Schritte ab, um Ihre Prozesse „smart“ zu machen. 

Bei Fragen zu diesem oder anderen Themen im Blog wenden Sie sich bitte an blog@leogistics.com

Jan-Philipp Horstmann 
Michel Templin 
Consultants SAP Logistics 

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