SAP TM | 25. 06. 2020
by Florian Gerlach
S/4HANA Migration - So gelingt die Stammdaten-Replikation ohne großen Aufwand

Stammdaten-Integration mittels DRF unter S/4HANA Transportation Management (Side-by-side)


Die Entscheidung ist gefallen und Sie wollen SAP S/4HANA Transportation Management in Ihrem Unternehmen einführen und haben sich für das Side-by-Side-Szenario entschieden? Eine der ersten Herausforderungen wird es nun sein, Ihre Stammdaten an das neue System zu übertragen.

Hier stellen sich grundlegende Fragen: Wurde die Transformation des ECC-Systems nach S/4HANA bereits gestartet oder schon abgeschlossen? Existieren Business Partner im ERP bzw. dürfen diese dort im Rahmen des Projektes angelegt werden?

Während in der klassischen SAP Business Suite TM, also SAP TM 6.0 bis SAP TM 9.6, der Datenaustausch noch mit dem Core Interface (CIF) durchgeführt wurde, setzt die SAP mit S/4HANA ausschließlich auf das Data Replication Framework (DRF). CIF ist damit obsolet und sollte auch nicht mehr benutzt werden.



WAS IST DAS DATA REPLICATION FRAMEWORK?

Mit dem DRF können sowohl Bewegungs- als auch Stammdaten aus einem Quellsystem an ein oder mehrere Zielsysteme repliziert werden. Die Replikation kann per Enterprise Service, IDoc oder per Dateidownload erfolgen.

DRF bietet zur Datenselektion Filter an, um die zu replizierenden Daten einzuschränken. 

Lässt sich ein Key Mapping nicht vermeiden, besteht die Möglichkeit über den Unified Key Mapping Service (UKMS) unterschiedliche IDs in den einzelnen Systemen zu verwenden. Weiterhin ist es möglich, ein Werte-Mapping aufzusetzen, damit das Zielsystem die gesendeten Daten auch verarbeiten kann.

Im Kontext von SAP S/4HANA Transportation Management werden im Wesentlichen Stammdaten wie Business Partner, Lokationen und Produkte übertragen. Dabei wird überwiegend auf Enterprise Services zurückgegriffen. Im Side-by-Side Szenario kommen, je nach Ausgangssituation, außerdem IDocs zum Einsatz.



REPLIKATIONSMODELLE

Über sogenannte Replikationsmodelle wird festgelegt, welche Outbound-Implementierungen für bestimmte Zielsysteme verwendet werden sollen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, Parameter zuzuweisen bzw. zu übersteuern und die Sprache der zu übertragenden Texte und Beschreibungen einzuschränken.

Erfolgt keine Einschränkung der Sprache, werden grundsätzlich alle Sprachen übertragen. Dies kann unter Umständen zu Fehlern führen, falls Textfelder obligatorisch sind.

Einem Replikationsmodell können verschiedene Outbound-Implementierungen zugeordnet werden

Die Bestimmung der zu verwendenden Outbound-Implementierung ergibt sich aus dem jeweiligen Integrationsszenario.

Outbound-Implementierungen setzen sich u. a. aus Business-Objekt, Filterobjekt und (optional) Parametern zusammen. Erfolgt die Übertragung via Enterprise Service ist außerdem die Definition einer sogenannten Service-Operation im Customizing erforderlich.

Outbound-Implementierungen werden in Abhängigkeit vom Quellsystem bestimmt



DRF-INTEGRATION MIT SAP S/4HANA TRANSPORTATION MANAGEMENT

Je nachdem, ob das Quellsystem ein SAP S/4HANA System oder ein klassisches SAP ECC System ist, ergeben sich zwei Möglichkeiten für die Stammdatenintegration mit dem DRF.



SAP S/4HANA ALS QUELLSYSTEM

Szenario: Quellsystem SAP S/4HANA

  • REPLIKATION VON WERKEN UND VERSANDSTELLEN 

Die direkte Übertragung von Lokationen via Enterprise Service ist möglich, da in S/4HANA Lokationsstrukturen vorhanden sind und somit bereits im Quellsystem angelegt werden können.

Outbound-Implementierung 189_1 - Lokationen via Service

  • REPLIKATION VON MATERIALSTAMMDATEN

Die direkte Übertragung von Materialstammdaten via Enterprise Service ist möglich, da mit S/4HANA die ERP-Strukturen des Materialstammes mit modulspezifischen Feldern (wie /SAPAPO/ oder EWM) konsolidiert wurden.

Der naheliegende Grund ist, dass mit S/4HANA nun die Funktionalitäten aller migrierten Module innerhalb eines einzigen Systems zur Verfügung stehen. Um Datenredundanzen zu vermeiden, gibt es daher einen einheitlichen S/4HANA Product Master. 

Transaktionen wie beispielsweise /SAPAPO/MAT1 dienen nur noch der Pflege der modulspezifischen Felder. Datenfelder, welche bereits in den Materialstamm integriert wurden, können darüber nur noch angezeigt werden. 

Daher wäre es nicht verwunderlich, wenn die zusätzlichen Transaktionen zur Material- bzw. Produktstammdatenpflege zukünftig komplett verschwinden würden.

Outbound-Implementierung 194_3 - Produkte via Service

  • REPLIKATION VON BUSINESS PARTNERN

Business Partner können direkt übertragen werden. Voraussetzung ist, dass sowohl in Quell- als auch Zielsystem die Konfiguration der Customer Vendor Integration (CVI) vorgenommen wurde. 

Mit der CVI stellt die SAP eine Technologie zur Verfügung, welche zur Synchronisation von Business Partnern in Debitoren bzw. Kreditoren und vice versa dient.
 

Outbound-Implementierung 986_3 - Geschäftspartner via Service



SAP ECC ALS QUELLSYSTEM

Szenario: Quellsystem SAP ECC

  • REPLIKATION VON WERKEN UND VERSANDSTELLEN 

Einem SAP ECC System sind Lokationsstrukturen schlichtweg unbekannt, daher können diese nicht direkt übertragen bzw. nicht im Quellsystem angelegt werden. 
Für Werke und Versandstellen stehen hier jeweils eigene Outbound-Implementierungen zur Verfügung.

Outbound-Implementierungen 464_L und DRF_0045_L - Werke und Versandstellen via Services

  • REPLIKATION VON MATERIALSTAMMDATEN

Für die Übertragung von Materialstammdaten steht eine spezielle Outbound-Implementierung zur Verfügung, die auf das MATMAS IDoc als Übertragungsmedium zurückgreift.

Outbound-Implementierung 194_1 - Materialstammdaten via IDoc

Sollen Materialstammdaten im Zielsystem angelegt werden, ist außerdem ein grundlegendes Customizing wie beispielweise das von Maßeinheiten oder Materialarten im Zielsystem nötig.
Da im SAP S/4HANA Transportation Management der vollständige Materialstamm zumeist gar nicht benötigt wird, empfiehlt es sich hier, mit einem reduzierten Nachrichtentyp zu arbeiten. 
Durch den kundenspezifischen Nachrichtentyp lässt sich das nachzuziehende Customizing auf ein gesundes Maß reduzieren und mit Hilfe von BC-Sets auch relativ einfach an das Zielsystem übertragen.

  • REPLIKATION VON BUSINESS PARTNERN

Die direkte Übertragung von Kreditoren und Debitoren ist nicht mehr möglich.

Stattdessen ist, je nachdem ob im Rahmen Ihres Projektes Business Partner im Quellsystem entstehen dürfen, zusätzlich die Customer Vendor Integration (CVI) in beiden Systemen zu konfigurieren.

Dürfen im Quellsystem keine Business Partner entstehen, stehen auch hier spezielle Outbound-Implementierungen zur Verfügung die auf DEBMAS bzw. CREMAS IDocs zurückgreifen – die Konfiguration der CVI ist dann nur im SAP S/4HANA Transportation Management erforderlich, um aus den Kundenstammdaten Business Partner erzeugen zu können.

Outbound-Implementierung 986_1 - Kundenstammdaten via IDoc



BEST PRACTICES BY LEOGISTICS

Die Stammdatenübertragung innerhalb von SAP S/4HANA Transportation Management Projekten unterscheidet sich erheblich von den Regeln und Bedingungen, die noch in der Business Suite ihre Gültigkeit hatten.

Wir haben uns in unseren Projekten mittlerweile mit den unterschiedlichsten Integrationsszenarien auseinandergesetzt und möchten unsere Erkenntnisse hier mit Ihnen teilen. Folgende Tipps können wir mitgeben.

  1. Da für das DRF Business Functions aktiviert werden müssen, besprechen Sie dies frühzeitig mit Ihrer internen SAP Basis-Abteilung.
  2. Nehmen Sie sich die Zeit, sich in das Thema DRF einzuarbeiten und die Technologie auszutesten.
  3. Beseitigen Sie Stammdatenfehler immer im Quellsystem.
  4. Beseitigen Sie Duplikate und nicht mehr verwendete Daten im Quellsystem.
  5. Selektieren Sie im DRF nur, was Sie auch für das S/4HANA Transportation Management benötigen und legen Sie dafür dann Jobs an.

Bei Fragen zu diesem oder anderen Themen im Blog wenden Sie sich gerne an blog@leogistics.com.

Florian Gerlach
Technical Consultant SAP Logistics