Site logistics | 11. 07. 2019
by Stefan Bröse
Neue Möglichkeiten für die Abbildung von Lagerprozessen im S/4HANA Kontext

WAS DER FORTBESTAND DES SAP WM FÜR IHRE S/4HANA ROADMAP BEDEUTET

Die Migration auf S/4HANA bringt eine ganze Reihe notwendiger strategischer Entscheidungen mit sich. Insbesondere im Logistikumfeld stehen große Veränderungen bevor, wenn Sie derzeit Ihre Lager- und Transportprozesse im SAP LE-WM und SAP LES-TRA abbilden. Wie die SAP aber nun über einen Blogbeitrag verlauten ließ, könnte zumindest die Umstellung auf ein embedded oder full SAP EWM nicht mehr die einzige Möglichkeit sein.

SAP WM HEISST JETZT S/4HANA STOCK ROOM MANAGEMENT

BREAKING NEWS - Vor wenigen Tagen hat die SAP über einen Blogartikel verlauten lassen, dass der Umstieg auf SAP EWM bis 2025 nicht mehr die einzige Option zur Weiterführung einer SAP-basierten Lagerverwaltung sei. Unter dem Namen S/4HANA Stock Room Management bietet man nun die Möglichkeit, die Lagerkernprozesse im LE-WM weiterzuverwenden. Das gilt allerdings nur für Bestandskunden. Neukunden wird aller Voraussicht nach weiterhin SAP EWM nahegelegt. Offen ist, wie diese Unterscheidung gehandhabt werden soll. Zur Verfügung steht S/4HANA Stock Room Management offiziell mit S/4HANA 1909, wobei bis 2025 ja auch die bestehende SAP WM Lösung seitens der SAP unterstützt wird.

WAS IST DRIN, WAS FEHLT?

Der Scope von S/4HANA Stock Room Management deckt sich weitestgehend mit den heutigen Möglichkeiten im SAP WM, allerdings sind Weiterentwicklungen wohl ausgeschlossen. Alle kritischen Komponenten für eine einfache Lagerverwaltung werden bereitgestellt. Nicht mehr verfügbar sind folgende Bestandteile: 

Das in der Tat wenig verwendete Task & Ressource Management (WM-TRM) wird von S/4HANA Stock Room Management nicht unterstützt.

  • Wer ein dezentrales WM (WM-DWM) weiterverwenden möchte, sollte sich mit Abbildung in SAP EWM auseinandersetzen, da es wohl nach 2025 wegfallen wird.
  • Ob der Verzicht auf das Value Added Services Modul (WM-VAS) für Sie eine hohe Bedeutung hat, müssen sie entscheiden. Jedoch bestehen durchaus Möglichkeiten, die Prozesse auch anderweitig im SAP-Umfeld abzubilden.
  • Die Yard Management Komponente (YM-WM) im SAP WM erfreute sich niemals großer Beliebtheit und findet sich nur in wenigen Implementierungen im Einsatz.
  • Sofern Sie Cross Docking im SAP WM (WM-CD) verwenden, könnte dies unter Umständen einen gewissen Mehraufwand bedeuten. Eine individuelle Entwicklung, um dieses funktionale Gap zu schließen, wäre jedoch möglich.
  • Der Vollständigkeit halber sei noch das relativ unbekannte Wave Management (WM-TFM-CP) genannt, welches ebenfalls nicht im Scope von S/4HANA Stock Room Management zu finden ist.

 

WELCHE OPTIONEN HABE ICH?

Für Bestandskunden aber auch bei Neuimplementierung stehen eine Vielzahl an Optionen zur Verfügung, Lagerlogistikprozesse SAP-basiert abzubilden.

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VORTEILE FÜR SAP WM KUNDEN

Mit dem Aufschub, die die Weiterführung des SAP WM mit sich bringt, gehen auch Vorteile für SAP WM Bestandskunden einher. So werden Investitionskosten bei der Umstellung auf S/4HANA besser kalkulierbar. Schritt für Schritt lassen sich Prozesse im Back Office und der Logistik in die „neue Welt” migrieren. Eine Entscheidung für die passende Version der Lagerverwaltungssoftware kann mit der notwendigen Ruhe getroffen werden. 
Ebenfalls bietet die Weiterführung der bestehenden Lagerlösung Prozesssicherheit in den operativen Bereichen. Durch Beibehaltung bewährter Systemabläufe im Lager und in der Produktionsversorgung können potentielle Risiken der Migration vorerst minimiert werden.  Es besteht kein Zeitdruck bei der Umstellung. 

WEITERVERWENDEN KOMPLEXER ENTWICKLUNGEN IM EIGENEN NAMENSRAUM

Äußerst interessant kann die neue Option für Sie sein, wenn Sie komplexe individuelle Entwicklungen im Einsatz haben. Unsere Erfahrung zeigt, dass in vielen Fällen Eigenentwicklungen in den folgenden Bereichen den Funktionsumfang im Standard ergänzen: 

  • Eigene Staplerleitsysteme
  • Monitoringfunktion 
  • Automatisierung von Buchungen
  • Individuell entwickelte Scanner-Applikationen

Würden diese bei einer Migration auf SAP EWM weitestgehend neu konzipiert werden müssen, können diese unter Umständen mit S/4HANA Stock Room Management weitergenutzt werden.

KLASSISCHE INTEGRATIVE LAGERPROZESSE WEITERHIN IM SAP WM NUTZEN

Besonders interessant wird es für viele Kunden sein, bestimmte Prozesse mit einer starken Verknüpfung zu SAP ERP Prozessen ohne große Änderungen über 2025 hinaus weiterverwenden zu können, wie beispielsweise

  • Wareneingangsprozesse mit und ohne Anlieferung
  • SAP-QM-Integration
  • Handling Unit Management 
  • Verpacken in Lieferbelegen oder
  • Produktionsversorgung (WM-PP Schnittstelle).

 

WIE KANN ICH DIE ENTSCHEIDUNG FÜR MEINE ZUKÜNFTIGE LAGERVERWALTUNGSSOFTWARE TREFFEN?

  1. Führen Sie eine Analyse Ihrer Ist-Prozesse durch. Nur mit einer Inventur der Vorgänge im Lager können Sie die Abdeckungsgrade der Alternativen bewerten.
  2. Prüfen Sie den Einsatz Ihrer Hardware, insbesondere der Mobilgeräte und Scanner im Lager.
  3. Checken Sie die technischen Schnittstellen, sowohl innerhalb als auch außerhalb Ihres Unternehmens. Erst wenn Sie ein klares Bild der internen und externen Schnittstellen haben, kann dieser Punkt für Sie sinnvoll bewertet werden.
  4. Untersuchen Sie Ihre Lösung nach kundenindividuellen Erweiterungen. Sind diese auch weiterhin einsatzfähig? Welche Abhängigkeiten bestehen?
  5. Eine Möglichkeit, die Ergebnisse der vorstehenden Untersuchungen gemäß der verschiedenen Lösungsalternativen zu bewerten, stellt ein Scoring Modell dar. Hierbei unterstützen wir Sie gerne.

 

UMSTIEG AUF EWM LEICHT GEMACHT

Mit den neuen Möglichkeiten, die sich aus der Weiterverwendung von SAP WM bieten, steht einer schrittweisen Umstellung auf SAP EWM nichts mehr im Weg. Vorerst ist die Weiterverwendung bestehender Geräte und Applikationen (zum Beispiel ITS-Mobile) möglich. Ein Umstieg auf neue Geräte und beispielsweise UI5 Apps kann sukzessive angegangen werden. 

Die Notwendigkeit, bestehende Prozesse umgehend in SAP EWM abzubilden (beispielsweise als Big Bang), ist ebenfalls nicht gegeben, der schrittweisen Migration sei Dank.

SIE SIND NOCH UNSICHER?

Aufgrund der Vielzahl von Optionen können wir zwar keine generelle Aussage treffen, jedoch eine Handlungsempfehlung aussprechen: 
Wir empfehlen Ihnen, komplexe Prozesse ins SAP EWM auszulagern, aber einfache Prozesse unter Stock Room Management beizubehalten (ein hybrider Ansatz als Parallelbetrieb).

Wir haben in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen mit ähnlichem Parallelbetrieb zweier Lösungen gemacht, so zum Beispiel mit SAP WM und Lean WM. Gerne beraten wir Sie hinsichtlich Migration und Zukunftsfähigkeit Ihrer SAP-basierten Lagerlogistik und unterstützen Sie bei Ihrer Entscheidungsfindung.

Bei Fragen zu diesem oder anderen Themen im Blog wenden Sie sich bitte an blog@leogistics.com.
Stefan Bröse
Jan-Philipp Horstmann
Senior Consultants SAP Logistics

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